Diplomtheorie

In meiner Diplomarbeit »Mit Leid und Seele« zum Thema Tierethik habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wann ein Lebewesen welche Art der moralischen Berücksichtigungswürdigkeit erfahren kann.

Eine schnelle Erkenntnis war, dass aus dem Dualismus von Körper und Geist beim Tier allzu oft nur der fleischliche Part anerkannt wird. Seele, Gefühle, Hoffnungen und Leid werden ihm abgesprochen. Wer kein Fleisch oder gar keine tierische Produkte konsumiert, erkennt diese Eigenschaften im Tier an und zieht die Konsequenzen aus seiner Erkenntnis. Um zu dieser Einsicht zu kommen, bedarf es oft eines langen Prozesses, in dem alle gesellschaftlichen Verdrängungsmechanismen überwunden und nicht zuletzt alternative Lebensweisen erkannt werden. Den Prozess, das Tier als mehr als bloßen Lieferant für Nahrung und Kleidung anzuerkennen, habe ich in meiner Diplompraxis seh- und erfahrbar gemacht.

Für meine Diplomausstellung entstanden neun lebensgroße Tierillustrationen, in den Dimensionen von Honigbiene bis zum Rind. Je Tier gibt es zwei Versionen auf Transparentpapier, die – dicht hintereinander gehangen – eine Einheit bilden: Auf den ersten Blick, beim Betreten der Ausstellung, sieht man die Tiere als eindimensionale schwarze Fläche, ohne Einzelheiten erkennen zu können. Erst nachdem man den Raum weiter durchschreitet und den Weg auf die andere Seite der freihängenden Bilder zurückgelegt hat, erkennt man das Individuum im Tier. Auf dieser Seite ist es als feine, detaillierte Zeichnung zu sehen. Es wirkt nun, dank der durchscheinenden Rückseite, nahezu dreidimensional – es entsteht die Einheit vom Körperlichen und Geistlichen. Von diesem Standpunkt lässt sich nun immer mehr im Tier erkennen, evtl. Ähnlichkeiten zu sich selbst herstellen und ein größeres Bewusstsein für das schaffen, was beim Endprodukt vom Tier nicht mehr wahrzunehmen ist.

Das empfindliche Transparentpapier ist elementarer Kommunikationsträger der Arbeit. Spuren und Beschädigungen sind nicht wiedergutzumachen, beim Umgang mit dem Bild  – dem Tier – ist höchste Vorsicht und Achtsamkeit geboten. Eine genaue Reproduktion ist nicht möglich.